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Artikel rund ums Fraueneishockey - In Erinnerung an Ludwig Maischein 1945 / 2010 |
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In Erinnerung an Ludwig Maischein 1945 / 2010 - Seite 1 |
Einen Moment der Besinnung
11.04.2010 Ich möchte diese Webseite meinem geliebten Vater Ludwig Friedrich Maischein (24.01.1945 - 10.02.2010) widmen.
Alexander Maischein
Ich mit Jannis und meinem Vater - Sommer 2007
Einleitung
Der Verlust eines nahestehenden Menschen ist immer ein einschneidender Moment im Leben, der die eigene Lebenswirklichkeit in neue Relationen setzt und einen Prozess der Selbstbestimmung auslösen kann.
Mein Vater ist ein Kind der letzten Kriegstage und hätte fast sein erstes Lebensjahr wegen Unterernährung und einer Lungenentzündung nicht überlebt. Das Thema Lebenskampf, bzw Kampf mit dem eigenen Körper war immer Lebensbestimmend für Ihn und auch ich kenne ihn eigentlich nicht anders als ein kranker Mann, der für all die Kleinigkeiten des Lebens immer viel mehr kämpfen musste als viele andere um uns herum. Es ist auch eine ewige Geschichte von Niederlagen, wenn der Körper Zielen und Plänen wieder einmal im Wege stand und auch eine Geschichte von vielen traurigen Momenten, in denen Verzweiflung über die eigene Schwäche das eigene Handeln lähmte.
Zudem hatte mein Vater ein sehr schweres Paket als Kriegs- bzw Nachkriegskind zu tragen, welches durch familiäre Wirrungen - der eigene Vater als schwerkranker Mensch und Kriegsgefangener/Spätheimkehrer - autoritäre und psychisch völlig kaputte Familienverhältnisse uvm. stetig schwerer und schwerer wurde. Man könnte lange über diese Lebensgeschichte erzählen - eine von vielen Nachkriegsgeschichten übrigens - doch das ist hier nicht mein primäres Ziel.
Vielleicht als letztes Schlaglicht die Feststellung seines Bruders - der später geboren - so früh wie möglich der Familie nach Berlin entkommen ist, klar aufzeigte, dass die "Erziehungsmethoden" unter denen mein Vater litt heute jeden Tatbestand der Kindesmisshandlung erfüllen würde und dann noch das Schreckensbild des eigene Vaters, der den Sohn fast mit einer Hacke erschlagen hättte, da dieser eine Frau erwählte, deren Familie aus Böhmen geflohen war. Ein Vater, der den Sohn bis zum letzten Tag misstrauisch ablehnte.
Viele dieser Geschichten habe ich erst spät - viel zu spät - erfahren. Geschichten wie sie oft in den dunklen Kellern der Familien vergraben werden und doch das Leben und Handeln der Betroffenen bis zum letzten Tag bestimmen.
Vieles von diesen Geschichten und Erlebnissen hat dazu geführt, dass mein Vater nicht in der Lage war mir die Nähe zu zeigen, die ich mir als "der Sohn" gewünscht habe und vieles von dieser "Familienlast" hat mich in meiner Entwicklung behindert - hat tiefe Spuren der Unsicherheit und der "Minderwertigkeit" zurückgelassen. Es war ein schwerer Weg für mich, meinen Frieden mit dieser "Familienlast" zu schliessen und den Weg zu meinem Vater zu finden.
Der Respekt vor meinem Vater bestand von Anfang an. Es war niemals Angst, es war niemals erzwungen. Er selbst suchte die Distanz - wohl weil er selbst daran zweifelte ein guter Vater sein zu können, aber er lebte eine Basis von Grundwerten in jeder seiner Handlung vor: Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Respekt vor dem Anderen, Hilfsbereitschaft, Grosszügigkeit, Bescheidenheit, Einsatz, Humor.
Diese Werte wurden bei uns nicht "gelehrt" und auch nicht offensiv "erzogen", sondern sie waren einfach in ihm als Mensch "da".
Ich denke das ambivalente Verhältnis zu ihm - zum einen der Respekt und auch die Sehnsucht nach seiner Nähe - prägten die wenigen gemeinsamen Aktivitäten. So nahm er mich in der Saison 1979/1980 mit zum Mannheimer ERC ins Eisstadion am Friedrichspark, wir besuchten einige Spiele des SV waldhof Mannheim, schauten auch mal beim Ringen zu oder gingen zum Handball. Einmal waren wir im Kino und sahen James Bond - Goldfinger.
In der Summe war es wenig was Vater und Sohn gemeinsam unternommen haben, aber es war auch "normal" für uns, denn ich kannte meinen Vater ja nur krank. Als ich ein kleines Kind war, wurde er nach einem schweren Asthma-Anfall "weggebracht" und in mir wuchsen zum ersten Mal die grossen Verlustängste. Danach reihten sich Kuraufenthalte an Zeiten der Krankheit und in den guten Tagen brauchte er seine ganze Kraft um den "Job" zu stemmen. Morgens aus dem Haus und Abends völlig erschöpft wieder heim - immer für die Familie - immer in der Sorge als Ernährer auszufallen. Sein Lebensziel war es, dass es uns - also meiner Mutter und mir - gut ging.
Die Krankheit - die Prognose eines Arztes er würde seinen eigenen Vater nicht überleben (starb mit 50) und das Familienpäckchen - sorgen in den nächsten Jahren auch für Zeiten der Depression - aber auch für schöne Momente und teilweise für eine innere Befreiung von den täglichen Lasten. Mit der Zeit konnten wir als kleine Familie die grossen und kleinen Krisen meistern und auch die schönen Seiten des Lebens "erkennen".
Vater und Sohn kamen unter anderem über das Thema Internet zusammen, als ich meinem Vater den ersten PC zusammenschraubte nachdem er arbeitsunfähig in die Rente gehen konnte. Er setzte sich nun mit seiner Erkrankung auseinander - erstellte eine umfangreiche Webseite über Asthma und nutzte seitdem intensiv das Internet um am Leben in der Welt teilzuhaben. Gemeinsame Interessen - wie der Sport - führte uns immer wieder zusammen. Für die damen-eishockey.de - Seite erstellte er eine Saison die komplette Scorerstatistik der Bundesliga in Excel.
Mein Vater mit Josha, Jannis und Jerrik - Sommer 2008
In den letzten Jahren seines Lebens - er hatte inzwischen seinen eigenen Vater an Lebensjahren weit überholt - erlebte er selbst noch die Geburt seiner drei Enkel und das Abenteuer des Umbaus unseres Hauses.
Allerdings wurde nun der Kampf mit dem eigenen Körper immer schwerer und die Sorge und Angst bei uns allen immer grösser. Es ist nicht einfach die Schatten zu verdrängen, die ständig über einer Familie oder Gemeinschaft liegen in der ein Mitglied sehr schwer krank ist - eine Krankheit ohne Chance auf Besserung, deren Verlauf ein festes Ziel hat - allein die Geschwindigkeit und die Schwere des Verlaufs ungewiss ist.
Am Ende hat uns alle dieser Kampf und die Angst ausgelaugt, doch wir hatten das grosse Glück zusammen mit Ihm bewusst den letzten Weg zu gehen.
Auf dem Kranken- später dem Sterbebett bin ich meinem Vater noch einmal sehr nahe gekommen - alles wurde gesagt was 40 Jahre lang nur gefühlt wurde und zusammen haben wir entschieden, dass er nun gehen darf.
Es ist und war das grösste Zeichen, aber auch der aufwühlendste Moment, als der eigene Vater vom Sohn die Zustimmung erbittet sterben zu dürfen. Auch wenn der Ratio in diesem Moment klar sagt, dass diese Entscheidung an sich nicht getroffen werden kann, geht es doch um das grosse Thema Vertrauen, Respekt und Liebe.
Seine Geschichte weiterzutragen, seinen Weg weiterzugehen und seine Werte weiterzuleben ist mir eine Ehre. Die Erkenntnis wer mein Vater tief in sich selbst war und welche Leistung er vollbrachte war dieses Leben bis zum letzten Tag mit Optimismus und ohne Klage zu leben baut sich in mir immer noch Stück für Stück auf.
Für grosse menschliche Leistungen muss man keinen Berg bezwingen und keine Rekorde aufstellen - das eigene Leben positiv für sich und positiv für andere zu bewältigen ist Rekord genug.
Vater ich liebe Dich - In ewigem Gedenken Dein Alexander
-- pArt 1.03 © Thomas Ehrhardt, 2002-2005 --
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